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Rezension Rezension - Roman: "Die Uhrwerk-Orange"
Anthony Burgess, Klett-Cotta - Verlag

Kurzbeschreibung:

Alex ist gerade mal 15, seine Strafakte liest sich allerdings wie die eines Profi-Gangsters: Drogenmissbrauch, Vergewaltigung, Diebstahl, Körperverletzung, sogar Mord. Nacht für Nacht zieht er mit seinen "Droogs" durch die Straßen Londons und terrorisiert sein Umfeld aus purer Lust an der Gewalt - bis er eines Abends bei einem Überfall eine Frau tötet und von der Polizei geschnappt wird. Alex wird zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt, beschließt jedoch sich als Versuchsperson für ein neues Resozialisierungsprogramm zur Verfügung zu stellen, um der Haftstrafe zu entgehen. Die zweiwöchige "Ludovico- Therapie" verläuft indes anders, als der Jungkriminelle es sich vorstellt. Nach seiner Entlassung ist er nicht nur ein komplett anderer Mensch: Er muss plötzlich erkennen, dass er in seiner bisherigen Umwelt nicht mehr zurechtkommt und - dass sich die Rollen von Täter und Opfer vertauscht haben...

Rezension und Literaturkritik:

Auf den ersten Blick erscheint Alex, wie ein Straftäter aus dem Bilderbuch: Skrupellos begeht er ein Verbrechen nach dem anderen, ohne jegliche Anzeichen von Reue. Gewalt ist seine Art der Rebellion gegen den Alltag der Erwachsenen, der nur noch aus Arbeit und Fernsehen zu bestehen scheint.

Den Hang zum Extremen spiegelt auch seine Ausdrucksweise wider: Mit „Nadsat“ erfand Autor Anthony Burgess einen eigenen Teenagerslang, in dem Alex als Erzähler konsequent durch die Handlung führt und dem Leser anfangs einiges an Kopfzerbrechen bereitet (die Neubearbeitung enthält deshalb ein Fremdwörterglossar als Anhang). Dennoch: Die Sprache ist zwar das Gewöhnungsbedürftigste, gleichzeitig aber Beeindruckendste an dem Roman, obgleich die deutsche Version gegenüber der englischen Originalfassung einiges an Qualität einbüßt.

Alex' Redensart dient vor allem einem - gemeinsam mit seiner Leidenschaft für klassische Musik zeichnet sie ein anderes Bild seines Charakters: Das eines durchaus intelligenten Jungen mit Sinn für Kunst. Dass die Rollen "Gut" und "Böse" nicht eindeutig verteilt sind, zeigt sich, als Alex im Gefängnis das Angebot erhält, sich einer vom Staat subventionierten, noch unerprobten Psychotherapie für Straftäter zu unterziehen. Unter Drogeneinfluss muss er sich täglich Aufnahmen von Folterungen ansehen. Tatsächlich bewirkt die Gehirnwäsche, dass ihm allein schon beim Gedanken an Gewalt schlecht wird. Wieder auf freiem Fuß, wird er zum Spielball seiner ehemaligen Opfer, Freunde und der Politik - und merkt, dass er sich nicht mehr wehren kann.

Die Aussage des Romans ist klar: Der Mensch als solches definiert sich durch seinen freien Willen - und dieser muss gewahrt werden. Alex funktioniert nach der Therapie wie ein Uhrwerk, ist innerlich aber eine gebrochene Persönlichkeit. Er ist nach seiner Entlassung zwar ein friedfertiger "guter" Bürger, doch beruht dies nicht auf seiner eigenen moralischen Entscheidung. Alex stellt keine Identifikationsfigur dar, dennoch wird der Leser mit der Frage konfrontiert, ob der Zweck die Mittel wirklich rechtfertigt.

Anthony Burgess lässt seinen Protagonisten aus dessen Fehlern lernen und gibt ihm eine zweite Chance. Ob das Ende nun real oder zu simpel erscheint, fest steht: Mehr als 40 Jahre nach seinem Erscheinen hat Clockwork Orange kein bisschen an Aktualität verloren, ganz im Gegenteil - es ist aktueller, denn je.

( Redaktion: Iris Spiegelberger )

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