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Rezension Rezension - Erzählung: "Sei Hartz - Das Märchen von der Arbeitslosigkeit."
Wolfgang Tornow, Books on Demand GmbH

Kurzbeschreibung:

Es war einmal - so wie alle Märchen beginnt auch das Märchen von der Arbeitslosigkeit.
Eine Prinzessin sucht ihren Prinzen und mit Hilfe des inzwischen in die Jahre
gekommenen Liebesgott Amor findet sie ihn auch.

Mit dem jungen aufstrebenden, gut gebildeten Wolle verlebt sie die glücklichste Zeit ihres Lebens. Doch als dieser durch einen gemeinen Plan der Kobolde arbeitslos wird, beginnt nicht nur dessen sozialer Abstieg, sondern auch der Zusammenbruch der Beziehung.




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Rezension und Literaturkritik:

Anfangs ist es schon etwas irritierend und auch etwas unglaubwürdig, wenn Tornow über das einsame Leben einer Prinzessin erzählt und wie sich später, der inzwischen pensionierte Amor ihrer annimmt und zum Liebesglück verhilft.

Doch daraus entspinnt sich eine Geschichte über einen Arbeitslosen, die trotz aller Unterhaltsamkeit, dessen traurigen sozialen Abstieg realistisch darstellt und verfolgt. Wolle ist der Mensch in diesem Märchen. Er erfährt damit die harte und vor allem wirkliche Arbeitslosigkeit. Die Prinzessin, Amor, Satan und die Kobolde sind Fantasiegestalten. Die eine Seite steht dabei für das Gute, welches aber vom Bösen auf der anderen Seite besiegt wird. Denn der Teufel ist der politische Strippenzieher und verkörpert somit den "menschenverschlingenden" globalisierten Kapitalismus.

Durch das Benutzen von Märchenfiguren mit denen jeder ein bestimmtes Bild verbindet, werden gegenwärtige wirtschaftliche und gesellschaftliche Prozesse um so klarer gezeichnet und auf groteske Art und Weise hervorgehoben. Auch wenn der Text von einfacher Machart ist und einzelne Erzählstränge nicht immer elegant, sondern eher etwas plump aufgebaut sind, wirkt das Buch doch durch seine unkonventionelle humoristisch-satirische Erzählweise.

Den Höhepunkt an Zynismus erlangt dieses Buch am Ende. Wenn Satan und seine Gesellen ihr weiteres Vorgehen planen. Ganz deutlich schießt der Autor an dieser Stelle gegen die bisherigen real-politischen Reformen, sei es nun im Gesundheitswesen oder auf dem Arbeitsmarkt.

"Wir zwingen jeden Arbeitslosen dazu, erst einmal vom Verkauf seiner Versicherungen und von seinem Ersparnissen zu leben, bevor er Geld von uns bekommt. Ist doch das allerletzte, dass jemand, der noch ein Sparbuch hat, unsere Staatsgelder verschwendet."

Neben aktuellen Bestandsaufnahmen gibt Tornow weitere Ausblicke hinsichtlich der Arbeitsmarktentwicklung, die zwar nicht rosig, dafür aber wahr sind.

"Je größer das Heer an Arbeitssuchenden wird, welches nach der Mangelware Arbeit strebt, desto niedriger die Entlohnung und desto unmenschlicher die Arbeitsbedingungen."

Jetzt wünscht sich der Leser bestimmt das gute Ende, das einfach jedes Märchen hat und mit den Worten abschließt: "Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute." Und alles ist gut.

Aber leider - dieses Märchen besitzt zwei Enden. Ein gutes und ein schlechtes. Das Dumme ist nur, das Schlechte scheint glaubwürdiger und realistischer. Allerdings ist es auch nur schlecht für die Arbeitslosen und die (noch) arbeitende Bevölkerung. Dem Satan wird's gefallen.

( Redaktion: Anne Gröger )

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