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Rezension und Literaturkritik:
1152 Seiten stark ist Ken Folletts "Die Säulen der Erde"- Durchhaltevermögen ist also von Vorteil. Dementsprechend lang fällt auch die Audiofassung des Buches aus: 825 Minuten (fast 14 Stunden) widmet sich Sprecher Joachim Kerzel, bekannt als deutsche Synchronstimme von Stars wie Jack Nicholson oder Dustin Hoffmann, auf 12 CDs den Lebensgeschichten von Prior Philip, dem Steinmetz Jack oder Bösewicht William Hamleigh und gibt durch unterschiedliche Betonungen und dezent variierende Stimmlagen dabei jedem Charakter seine eigene Note, ohne übertrieben zu wirken.
Klar und verständlich gesprochen, erhält Kerzels Lesung durch eindrucksvolle musikalische Unterbrechungen zur inhaltlichen Trennung von Szenen und die aus der Vorlage übernommene Gliederung in 6 "Bücher" eine sinnvolle Struktur. Die etwa 15%ige Kürzung der Originalfassung für das Hörbuch fällt insgesamt kaum ins Gewicht.
Follett schafft es in seinem erfolgreichsten Roman, Realität und Fiktion geschickt zu verbinden. Genau recherchierte geschichtliche Fakten - vom Tod Heinrichs I. 1135, dem Bürgerkrieg um seine Nachfolge bis hin zum Mord an Erzbischof Becket 1170 - bilden die Basis für Folletts ersten historischen Roman und lassen klischeehaften Vorurteilen über das Mittelalter wenig Raum. Detaillierte Schilderungen geben dem Leser Einblicke in die Härte und Grausamkeit des Alltags im England des 12. Jahrhunderts und machen auch vor Hinrichtungen und Folter nicht Halt.
Gekonnt werden die anfangs unabhängig erscheinenden Erzählstränge im Verlauf der Ereignisse miteinander verwoben; ohne eine klare Hauptfigur zu benennen, kreuzen sich die Wege der verschiedensten Charaktere, ohne dass sich eindeutig ein Held herauskristallisiert.
Zentraler Schauplatz und gemeinsamer Bezugspunkt: Die Kathedrale von Kingsbridge. Sie ist Lebenstraum, Zufluchtsort, Gegenstand von Neid und Hass und vor allem Kern der Handlung; mit ihrer Errichtung verbindet der Autor die Schicksale all seiner Figuren. Auch wenn es etwas an Konzentration bedarf, um die immer wieder wechselnden Perspektiven und Zusammenhänge über den lang erzählten Zeitraum zu behalten, liefert Ken Follett mit "Die Säulen der Erde" einen packend erzählten Bestseller, der das Prädikat "meisterhaft" redlich verdient. |